NEWS und Informationen aus unserer Praxis

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Frühsymptom für Kehlkopfkrebs: Längere Heiserkeit unbedingt vom HNO-Arzt abklären lassen

Jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen andauert, sollte vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt abgeklärt werden, rät Prof. Dr. Stefan Dazert von der Ruhr-Universität Bochum. Denn Heiserkeit ist das führende Symptom von Kehlkopfkrebs. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, ist dank moderner Therapiekonzepte ein Organerhalt möglich.

Jährlich erkranken etwa 4.000 Menschen an Kehlkopfkrebs. Zu den Hauptrisikofaktoren eines Larynxkarzinoms zählen Rauchen und Alkoholkonsum, erklärt HNO-Arzt Dazert: „Tabakrauch enthält eine Vielzahl giftiger Substanzen, die bei der Inhalation aufgenommen werden. Dem Tabak zugefügte Zusatzstoffe erhöhen das Abhängigkeitspotenzial und bringen im Verbrennungsprozess neue giftige Substanzen hervor.“ Die Liste der im Tabakrauch enthaltene Kanzerogene sei lang. Zu den Giftstoffen zählen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Aldehyde, Phenole und weitere karzinogene Bestandteile, warnt der HNO-Experte.

Ebenso lang sei auch die Liste der durch das Rauchen bedingten Erkrankungen im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Dazert: „Rauchen fördert Läsionen der Mundschleimhaut und erhöht das Risiko für unterschiedliche Krebserkrankungen des Mund- und Rachenraumes, des Kehlkopfes und der Speiseröhre.“ Verstärkt werde das Krebsrisiko durch den gleichzeitigen Konsum von Alkohol.

Jede länger andauernde Heiserkeit sollte dringend vom HNO-Arzt untersucht werden. Stefan Dazert schildert, welche Maßnahmen bei einem Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung ergriffen werden: „Aus verdächtigen Bezirken an den Stimmlippen oder anderen Bereichen des Kehlkopfes werden Gewebeproben entnommen und histologisch untersucht.“ Bestätige sich der Verdacht auf Kehlkopfkrebs, stehen chirurgische Verfahren, Bestrahlung, Chemotherapie oder Kombinationen der genannten Therapien als Behandlungsoptionen zur Verfügung.

Dank moderner Therapiekonzepte kann in vielen Fällen das Organ und seine Funktion erhalten werden. Prof. Dazert erklärt das chirurgische Verfahren: „Durch den Einsatz des Lasers und mikrochirurgische Techniken können kleinere Tumoren durch eine Kehlkopfteilresektion entfernt werden. Nur bei größeren, infiltrierend wachsenden Prozessen ist die vollständige Kehlkopfentfernung mit Anlage eines Luftröhrenschnittes erforderlich.“ Nach der Operation größerer Tumoren schließe sich eine Bestrahlung, gegebenenfalls in Kombination mit einer Chemotherapie, an. Bei den meisten Patienten sei nach der Operation eine Sprechrehabilitation möglich, ergänzt der Experte

(Quelle Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.).

Nach der schweren Influenzawelle: Grippeschutzimpfung nutzen, unnötige Risiken vermeiden

Nach wie vor lassen sich in Deutschland zu wenige Menschen gegen Grippe impfen, konstatiert Prof. Dr. Stefan Dazert. „Die schwere Influenzawelle der Wintersaison war ein Warnsignal“, so der Direktor der HNO-Klinik der Ruhr Universität Bochum. Es sei dringend notwendig, die Impfquote der Bevölkerung zu erhöhen. Laut Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen haben sich im vergangenen Winter nur knapp 35 Prozent der Personen über 60 Jahre impfen lassen.

Die Impfung mit dem Grippewirkstoff sei der beste Schutz vor einer Ansteckung mit dem gefährlichen Virus, erklärt HNO-Arzt Dazert: „Die echte Influenza ist keine harmlose Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung. Sogar bei unkomplizierten Fällen dauert sie fünf bis sieben Tage an und ist oft mit einem schweren Krankheitsgefühl mit Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Reizhusten verbunden. Bei einem schweren Verlauf kann die Grippe zu einer Lungenentzündung führen und sogar tödlich enden“, warnt Dazert. Risikogruppen, wie ältere und chronisch kranke Menschen, Schwangere oder Angehörige des Gesundheitswesens, seien deswegen dringend aufgerufen, sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen.

Die schwere Influenzawelle der Wintersaison 2017/2018 habe gezeigt, wie gefährlich die Grippe auch heute noch sein könne. „Noch nie zuvor lag die Zahl der Patienten mit schweren akuten respiratorischen Erkrankungen so hoch wie in der letzten Saison. Trotz ihrer saisonal unterschiedlichen Wirksamkeit ist die Impfung deswegen eine unabdingbare Schutzmaßnahme. Darüber muss das Bewusstsein in der Bevölkerung wachsen“, appelliert Dazert. Insbesondere die rückläufigen und zu niedrigen Impfquoten bei Risikogruppen müssten aufhorchen lassen. „Alte und kranke Menschen, Schwangere und Personen mit häufigem Kontakt zu kranken Menschen sollten sich rechtzeitig impfen lassen.“ Wer angesichts des Ausmaßes der letzten Grippesaison mit besonders vielen influenzabedingten Todesfällen auf eine Schutzimpfung verzichte, handele letzten Endes fahrlässig, warnt der Universitäts-Professor.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) war die Grippewelle im Winter 2017/2018 außergewöhnlich schwer. So gab es zum Beispiel geschätzte neun Millionen influenzabedingte Arztbesuche, zwei Millionen mehr als in den starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15. Darüber hinaus erreichte die grippebedingte Übersterblichkeit einen Höchststand. Die im Bericht gezeigten Daten für Berlin übertreffen mit geschätzten 1.100 zusätzlichen Todesfällen die bereits hohen Schätzwerte für 2016/17

(Quelle Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.).

HNO-Berufsverband unterstützt Klinik Codex „Medizin vor Ökonomie“

Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte unterstützt eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die sich gegen die zunehmende Ökonomisierung der Medizin richtet. Mit dem Klinik Codex „Medizin vor Ökonomie“ will die Fachgesellschaft ein Zeichen für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient setzen. Bei seiner jüngsten Sitzung im März sprach sich der Bundesvorstand des HNO-Berufsverbandes einstimmig dafür aus, sich dem Klinik Codex anzuschließen.

Ärztinnen und Ärzte geraten in ihrem Arbeitsalltag zunehmend in einen Konflikt zwischen Patientenwohl und ökonomischen Anforderungen und Rahmensetzungen, der sowohl das Patientenwohl als auch mittel- und langfristig die ärztliche Profession gefährdet, kritisieren die Autoren des Codex. „Er ist ein pragmatischer Ansatz zur Unterstützung aller Ärztinnen und Ärzte, die sich verpflichten, ihr ärztliches Handeln stets am Wohl des Patienten auszurichten – mit absolutem Vorrang gegenüber ökonomischen Überlegungen“, so Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, stellvertretende Vorsitzende der DGIM und eine der Initiatorinnen des Codex, bei dessen Vorstellung im Herbst letzten Jahres in Berlin. Besonders für die jungen Ärzte sei ein solches Leitbild notwendig, erklärte Dr. Matthias Raspe, Internist in Weiterbildung: „Die unreflektierte Übernahme ökonomischer Begrifflichkeiten in den ärztlichen Sprachgebrauch sind eine Gefahr für das ärztliche Grundverständnis.“

Der HNO-Berufsverband unterstützt das Anliegen der internistischen Fachgesellschaft und zieht Parallelen zwischen den Zwängen im Krankenhaus und der Situation im niedergelassenen Bereich: „Als Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde fühlen wir uns dem Ansinnen dieses Versprechens verpflichtet. Auch für uns niedergelassen tätige Ärzte sind ökonomische Zwänge allgegenwärtig. Bei der Behandlung unserer Patienten bewegen wir uns tagtäglich im konfliktreichen Spannungsfeld der bestmöglichen Patientenversorgung und dem, was nach Ansicht des Gesetzgebers den Kriterien ‚wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig‘ entspricht. In vielerlei Hinsicht finden sich hier Parallelen zur wirtschaftlichen Orientierung der Krankenhäuser“, so das Präsidium des Berufsverbandes

(Quelle Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.).